Kurzfassung der Geschichte der Universität Dillingen

Als eifriger Vorkämpfer der Gegenreformation eröffnete Kardinal Otto Truchseß von Waldburg (1514-1573), Fürstbischof von Augsburg 1549 an seinem Residenzort Dillingen/Donau eine Hohe Schule, die 1551 durch päpstliche Bulle (Copiosus in misericordia Dominus ...) und kaiserliche Bestätigung 1553 in eine Universität umgewandelt wurde.

Zunächst wurde die Universität von den Dominikanern betrieben, unter denen besonders der Beichtvater von Kaiser Karl V., Petrus de Soto O.P., zu nennen ist. Die schwierigen Verhältnisse der Gründerjahre zwangen den Bischof jedoch, seine Universität am 17. August 1564 dem Jesuitenorden in einem feierlichen Akt zu übergeben.
Die Gründung sollte vor allem der Ausbildung eines rechtgläubigen, qualifizierten Pfarrernachwuchs dienen und daneben dem katholischen Adel Süddeutschlands eine vor reformatorischen Einflüßen geschützte
Erziehungsstätte bieten. Diese Funktion nahm die Universität bis 1803 intensiv wahr. Die finanziellen Ausstattungsschwierigkeiten wurden unter Fürstbischof Heinrich von Knöringen (1570-1646) 1606 vertraglich geregelt.

Zunächst bestand an der Universität nur eine artistische und theologische Fakultät, zu der 1625 bzw. 1629 je eine Professur für kanonisches und für Zivilrecht (1743 auch für Natur- und Völkerrecht) kam, wodurch sich also eine juristische Fakultät bildete. Wohl in der Mitte des 18. Jahrhunderts entstand eine medizinisch-chirurgische Abteilung. Zur Universität gehörte seit der Gründung ein Konvikt und in enger Verbindung mit ihr stand das 1610 gegründete Priesterseminar.

Nach Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurde die Universität Dillingen bis zu ihrer Aufhebung durch den Kurfürsten von Bayern bei der Säkularisation 1803 der landesherrlichen Verwaltung des Augsburger Fürstbischofs unterstellt. 1804-1970 stand die alte Universität zunächst als bayerisches Lyzeum und ab 1923 als Philosophisch-Theologische Hochschule weiter Studierenden, insbesondere der Theologie, zur Verfügung. 1970 endet die Dillinger Hochschultradition mit der Auflösung der Hochschule und der Verlagerung der theologischen Lehrstühle an die
neugegründete Theologische Fakultät der Universität Augsburg.


Die Bibliotheksgebäude

Nichts wissen wir über den Bibliotheksstandort in der Gründungsphase. 1577 wurde ein "neuer" Bibliothekssaal erbaut, der 1623 und 1655 erneuert wurde. Beim Neubau des Jesuitenkollegs 1737 erhielt die Bibliothek im 2. und 3. Obergeschoß des Mittelrisalits des Nordflügels ihre Heimat und wurde 1738 von dem Bildhauer Johann Georg Bschorer und dem Münchener Maler Joseph Ignaz Schilling mit Fresken ausgestattet. Der spätbarocke, nie völlig fertiggestellte Raum dient für einen Teil des Altbestandes auch heute noch als Bibliothekssaal. Gruppenführungen im Saal sind aus baulichen (statischen) Gründen jedoch nicht möglich.

1966 wurde die Studienbibliothek an ihren heutigen Standort, das Gebäude des ehemaligen Gymnasiums, verlegt, das, bis in die Höhe des 1.Stocks abgerissen, entkernt und unter Erhaltung des Anblicks der früheren Fassade wieder aufgebaut worden war. Das ursprüngliche Gebäude war um 1720 - 1723 nach Entwürfen von Jakob Amrhein S.J. und Johann Georg Fischer aus Füssen errichtet worden. Die Buchbestände im historischen Bibliothekssaal sind aus denkmalpflegerischen Gründen zur Erhaltung des Ensembles dort verblieben.

Literatur:


Zoepfl, Friedrich: Beiträge zur Kunstgeschichte der Dillinger akademischen Gebäude.
In: Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen 52 (1950) 190 - 212.

Meyer, Werner und Schädler, Alfred: Stadt Dillingen an der Donau.
München 1964 (Die Kunstdenkmäler von Bayern / Regierungsbezirk Schwaben ; 6.), S. 342 - 351.

Bibliographie zur Dillinger Hochschulgeschichte


Verfasser: Dr. Paul Berthold Rupp. Ergänzungen: Rüdiger May

Kardinal Otto Truchsess von Waldburg
Kardinal Otto Truchsess von Waldburg